Deutschland 83: Gegen den Willen in die BRD

(Headerfoto: RTL / Laura Deschner)

Dem deutschen Fernsehen wird wenig zugetraut. Top-Produktionen aus Deutschland? „Da gibt es doch kaum welche, die Amerikaner können es einfach besser.“ Doch dieses Vorurteil herrscht zu Unrecht. Denn RTL zeigt mit seiner neuen Serie „Deutschland 83“, wie erstklassig deutsche Unterhaltung sein kann – und wie ihr diese seltene Qualität dennoch aberkannt wird.

Gegen den Willen nach Westdeutschland

Die Serie, aus der Feder des Ehepaars Anna und Jörg Winger, handelt von dem jungen DDR-Soldaten Martin Rauch (gespielt von Jonas Nay), der gegen seinen Willen als Spion für den Auslandsgeheimdienst der DDR in Westdeutschland eingeschleust wird. Er selbst soll dort als Ordonnanzoffizier in einer Bundeswehrkaserne das Vertrauen von General Wolfgang Edel (Ulrich Noethen) gewinnen, um wichtige militärische Dokumente zu entwenden. Hierzu bekommt er durch den HVA-Spion und Juraprofessor Tobias Tischbier (Alexander Beyer) einen kurzen Crashkurs in Sachen Spionage und muss von nun an ohne Hilfe versuchen, unter dem Namen Moritz Stamm den Westen auszuspionieren. Seine Unerfahrenheit macht dies zu keiner einfachen Sache, doch die Angst davor, dass er bei Versagen den Kontakt zu seiner Freundin verliert und seine Mutter nicht das dringend benötige Spenderorgan erhält, bringt ihn dazu, an seine Grenzen zu gehen.

„Deutschland 83“ schafft durchgehend eine ernste, mitunter sogar düstere Atmosphäre. Die Geschichte ist, anders als man es von solch einer Serie vielleicht erwartet, wenig vorhersehbar und die Spannung wird durch einige Überraschungsmomente sogar noch gesteigert. Dennoch – es gibt sie auch, die lustigen Momente. Gekennzeichnet ist der Humor vor allem durch Ost-West-Situationen. Eine prägnante Szene ist vor allem die, in der Martin in einem Restaurant sitzt und ein Steak bestellt. Auf die Frage, was für ein Steak er denn genau haben möchte, Filet-, Hüft-, Rump- oder Ribeye-Steak, antwortet er nur „von der Kuh, bitte“.

Ebenso fein fällt die Charakterzeichnung in „Deutschland 83“ aus. Die Figuren sind keine oberflächlichen Menschen, die man mal so eben in Gut und Böse einteilen könnte – jede Person der Serie ist tiefgründig und kein plattes Wesen. Somit hat auch jeder seine eigenen Interessen und entwickelt sich auch fortlaufend, manchmal fragt man sich beim Schauen der Sendung auch einfach nur, wer jetzt auf wessen Seite steht. So undurchsichtig viele Personen für Martin sind, sind sie auch für den Zuschauer. Das macht einen zusätzlichen Reiz der Serie aus, diese Tiefgründigkeit der Charaktere.

„Deutschland 83“ – Nostalgie pur

Doch ebenso spielt auch Nostalgie eine wichtige Rolle und macht einen Hauptteil der Atmosphäre aus. Der Zuschauer wird glaubhaft in das Jahr 1983 zurückversetzt, plötzlich ist er wieder in einer anderen Zeit und wird sich an einige Dinge erinnern können. Diese Mischung aus Spannung, Witz und Authentizität macht „Deutschland 83“ zu einer Serie, bei der man stolz sein kann, dass sie aus Deutschland kommt, man kann sie sogar fast als Vorbild für die deutsche Film- und Serienlandschaft bezeichnen. Anspruchsvolle Unterhaltung ist im deutschen Fernsehen leider oft Mangelware geworden und so zeigt RTL mit dieser Serie, wie man es richtig macht.

Moritz Stamm mit dem Sohn des Generals, Alex. Foto: RTL / Nik Konietzny
Moritz Stamm mit dem Sohn des Generals, Alex.
Foto: RTL / Nik Konietzny

Die Werbung für „Deutschland 83“ war riesig: Trailer in allen Programmblöcken, Werbeanzeigen in Zeitschriften, dazu einen US-Sender, der sofort Interesse meldete, die Serie auch in Übersee auszustrahlen sowie begeisterte Kritiker, die seitenweise Lob schrieben. Die Frage ist nur, ob klassische Werbeträger wie Plakate und Anzeigen die perfekte Wahl für die Bewerbung der Serie waren – oder ob nicht vielleicht eine Werbestrategie in den sozialen Kanälen sogar noch weitaus ertragreicher gewesen wäre, denn gerade in Zeiten von digitaler Kommunikation darf man dies auf keinen Fall unterschätzen. Vielleicht war die Werbung zur Serie sogar zu groß gefahren und hat die Erwartungen einiger Zuschauer ins Unerfüllbare hochgeschraubt – mit Sicherheit lässt es sich nicht sagen.

Zu wenig Resonanz

Die einzige Schande ist die Resonanz der Zuschauer. Dafür, dass RTL keine Kosten und Mühen gescheut hat, um eine wirklich niveauvolle, spannende Serie zu schaffen, sind die Einschaltquoten zutiefst enttäuschend. Lagen die Zuschauerzahlen bei der ersten Folge noch bei 3,19 Millionen Menschen (14,6% MA), so rutschten sie bei der Ausstrahlung der zweiten Folge schon auf 2,86 Millionen Zuschauer (9% MA), wie SPIEGEL ONLINE berichtet.
Noch schlechter sah es in der zweiten Woche der Ausstrahlung aus, hier rutschten die Zuschauerzahlen erstmals unter 2 Millionen Zuschauer, so das Medienmagazin dwdl. Es dürfte eine Enttäuschung für RTL und die Produzenten sein, angesichts der Hoffnung, die in „Deutschland 83“ gesteckt wurde. Es bleibt zu hoffen, dass sich trotzdem ein Weg für die Fortsetzung der Serie findet – verdient hat sie es allemal.

„Deutschland 83“ läuft vom 26. November bis zum 17. Dezember immer donnerstags um 20.15 Uhr auf RTL. Wer eine Folge verpasst hat, kann sie bei nowtv nachschauen. Ab 11. Dezember wird sie von Universum Film auf DVD und Blu-ray-Disc vertrieben.

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