„Er ist wieder da“ – Kritik zum Film

Ich bin, was Buchverfilmungen betrifft, etwas kritisch. Oft können Filme mit den Büchern nicht mithalten, und gerade, wenn man von einem Buch begeistert war, muss der Film noch höheren Erwartungen standhalten.

Insofern könnte man meinen, dass ich der Verfilmung von Timur Vermes‘ „Er ist wieder da“ etwas kritisch gegenüberstand, doch das ist nicht der Fall. Das Buch gefiel mir damals nämlich nur teilweise, ich empfand es zum Ende hin einfach nicht mehr wirklich spannend (könnte es aber trotzdem weiterempfehlen) und so hatte ich, was den Film betrifft, keine großen Erwartungen.

Obwohl der Plot größtenteils bekannt sein dürfte, fasse ich ihn noch einmal kurz zusammen: Adolf Hitler wacht im Sommer 2011 in Berlin wieder auf und stellt fest, dass Deutschland den Zweiten Weltkrieg verloren hat. Er sieht sich nun mit dem neuen, bunten und liberalen Berlin konfrontiert, das ganz anders ist, als er es noch in seiner Erinnerung hat. Fälschlicherweise wird er für einen Hitler-Imitator gehalten, kann aufgrund dessen, dass er ihn aber „realistisch spielt“, damit Karriere machen und nutzt bald einen Fernsehsender als Versuch, Macht an sich zu reißen.

Verfilmung mit bekannten Gesichtern

Constantin Film verfilmte nun den Bestseller mit Oliver Masucci als Adolf Hitler in der Hauptrolle. Der Film spielt im Jahr 2014, doch er hält sich im Groben an das Buch, Schlüsselszenen wie der Besuch einer Reinigung oder der NPD-Parteizentrale bleiben erhalten. Der Unterschied ist jedoch, dass die Haupthandlung zwischendurch mit nicht iszenierten Handlungen vermischt wird, meist besteht dies darin, dass Masucci als Hitler Personen in der Öffentlichkeit zu ihrer Meinung bezüglich Politik befragt und dies dabei mit ironischem Ton kommentiert, was den Film vor allem sehr aktuell und gesellschaftskritisch macht.

Die Handlung des Films ist ähnlich: Hitler wacht in Berlin auf und kommt erstmal bei einem Kioskbesitzer unter, der ihm erklärt, dass er sich nun im Jahr 2014 befindet und nicht mehr 1945. Während sich Hitler über die Geschichte der vergangenen Jahre erkundigt und versucht, die derzeitige politische Situation zu erfassen, wird Fernsehredakteur Fabian Sawatzki von seinem bösartigen Chef Christoph Sensenbrink (gespielt von Christoph Maria Herbst) entlassen. Dieser versucht nun nach seiner Entlassung, eine neue großartige Story zu finden, um zurück zu seinem Fernsehsender zu kommen und stößt dabei zufällig auf Adolf Hitler. Auch Hitler ist von der Zusammenarbeit mit Sawatzki nicht abgeneigt, denn er wittert darin den Weg zurück zu den Medien und somit eine großartige Plattform, um wieder in die Öffentlichkeit zu gelangen.

Er ist wieder da – Kritik? Fehlanzeige!

Oft stößt der „neue Hitler“ auf überraschend wenig Kritik, da er es schafft, die Schwächen der derzeitigen Politik aufzuzeigen und so eine Menge Personen auf seine Seite zieht. Gerade dies zeigt die Gefahren für unsere Demokratie, die immer noch allgegenwärtig sind.

Die Frage „Darf man darüber lachen?“ ist eine Frage, die man sich als Zuschauer während des Films öfter mal stellt. Vor allem die Rolle des eher unsympathischen Showmoderators Michael Witzigmann (gespielt von Michael Kessler), der all jene Comedians persifliert, die sich für einen guten Witz nichts zu schade sind, wirft diese Frage durch rassistische Gags, welche auch Blackfacing beinhalten, besonders häufig auf. Auch die Witze, die das Autorenteam der Sendung von Witzigmann für Hitler schreibt, tragen erneut zu dieser Frage bei, denn diese Witze sind auch nicht ganz ohne. Das sind diese kleine Stellen im Film, die öfter einmal zum Nachdenken anregen.

Flache Witze, tiefgründiger Humor

Man darf im Film nicht immer tiefgründigen Humor erwarten, teilweise ist das Witzniveau etwas flach, doch oft beweisen kleine Dinge große Tiefe. Beispielsweise erschießt Hitler in einer Szene einen Hund, was ihn später wieder einholt, denn bei Tieren scheinen viele Menschen besonders empfindlich zu reagieren – Hetze gegen Menschen ist dagegen manchmal einigen eher egal. So besticht die Verfilmung von „Er ist wieder da“ durch aktuelle Gesellschaftskritik vom Feinsten und ist daher einen Kinobesuch durchaus wert.

Die Situation, wie Hitler zurückkehrt und die deutsche Medienwelt auf ihn reagiert, ist realistisch verarbeitet und durchaus vorstellbar. Durch die Straßenumfragen, die Hitler zwischendurch durchführt und welche nicht gestellt sind, wirkt die Handlung noch authentischer. Zum Schluss des Films wird eine Botschaft noch einmal besonders deutlich: Gerade in der aktuellen politischen Situation müssen wir aufpassen, uns nicht durch Populismus vereinnahmen zu lassen und nachdenken über unsere politischen Handlungen sowie deren Konsequenzen. „Er ist wieder da“ möchte uns aufzeigen, dass auch heute eine solche Situation nicht undenkbar ist, auch wenn sie vielleicht anders aussehen sollte.

Ich kann diesen Film also wirklich empfehlen, denn er ist keine bloße Comedy á la „Wir machen uns jetzt über Hitler lustig“, sondern zeigt als eines der wenigen Werke über ihn großartige Tiefe, was die Komik betrifft.

Quellen: IMDB.com

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