Hände schütteln Schweiz

Von der Idee, die Hände zu schütteln

Händeschütteln ist eine hohe Kunst. Es erfordert Präzision beim Anzielen der korrekten Hand und zugleich den nötigen Druck, mit dem man eine Hand schüttelt. Er darf nicht zu lasch sein, denn lasche Händeschüttler sind oftmals verpöhnt, aber auch ein zu starker Händedrück kann einen schlechten Eindruck hinterlassen. Es gibt (mitunter Hobby-)Psychologen, die der Meinung sind, dass man aus einem Händedruck oftmals schon auf die Person schließen kann. Ob das auch wirklich der Fall ist oder es sich bei dieser Theorie nur um ein Ammenmärchen handelt, das soll heute nicht Gegenstand der Debatte sein. Ein Händedruck steht für eine Begrüßung, eine respektable Atmosphäre oder auch für eine Anerkennung. Er begleitet uns in vielen Situationen.

An vielen Schweizer Schulen ist der Handschlag zur Begrüßung von Lehrern und Schülern eine große Tradition. Umso aufgeregter und hoch erhitzt war die Schweizer Nation seit einigen Wochen, das Medienecho ist noch immer sehr gewaltig: Im Kanton Basel-Landschaft, genauer gesagt in der Stadt Therwil hatten sich zwei muslimische Schüler geweigert, ihre Lehrerin mit diesem Handschlag zu grüßen. Der Schulleiter erlaubte es daraufhin, ihn aus religiösen Gründen zu vermeiden – was die Schweizer gewissermaßen spaltete und sie die Frage diskutieren ließ, ob denn so etwas erlaubt sein sollte oder nicht. Eine rechtliche Prüfung hat heute die Antwort gegeben: Nein, auch aus religiösen Gründen darf man den Handschlag nicht verweigern. (siehe Spiegel Online)

Im Grunde kann man diese Entscheidung doch als richtig bezeichnen. Natürlich ist es wichtig, sich in die Kultur eines Landes zu integrieren, in dem man leben will. Wer diesen Händedruck und damit gewissermaßen eine Tradition, also den Teil einer Kultur, verweigert, der verweigert damit auch die Integration in die Gesellschaft und verliert damit Akzeptanz – und gerade die ist doch wichtig, um ein Teil der Lebensgemeinschaft und kein Fall von Ausgrenzung zu werden. Religionsfreiheit bedeutet, dass jeder seine Religion frei ausführen darf. Aber sie darf nicht in Konkurrenz mit bestehenden gesellschaftlichen Werten sein.

Viele Medien fanden die ganze Geschichte von Anfang an großartig. Die Schweizer Sonntagszeitung führte im April ein Interview mit den beiden Händeschüttlern in spe. Sie äußerten darin ihre Meinung, dass sie gerne die Würde der Frau schützen wollten und niemand sie zwingen könnte, Hände zu berühren. Damit dürfte es jetzt wohl vorbei sein.

Die Schulleitung ist auf jeden Fall erst einmal erleichtert, wie sie in einer Meldung verlauten ließ. Die Zwischenlösung werde aufgehoben und diese Entscheidung hätte auch schon die betroffene Familie mitgeteilt bekommen. Na dann können die Schweizer ja wieder beruhigt schlafen.

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