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Wie fair ist Musikstreaming?

Es gibt Menschen, die sind auf Klicks geradezu angewiesen. Vor allem seit dem das digitale Zeitalter den Wandel in der Medienwelt erbarmungslos voran treibt, können Klicks sogar über das finanzielle Überleben entscheiden. Nicht nur der Printbranche hat die Erscheinung des Internets einen harten Kampf angekündigt, vor allem auch für die Musikindustrie wurde es von Tag zu Tag schwerer, mit der digitalen Revolution Schritt zu halten.

Internet wird kommerzialisiert

Der Knackpunkt am der digitalen Revolution ist die, dass sie alles einfacher macht. Vor allem die einfache Verbreitung von Informationen ist der Grund, warum Computer und Netzwerke nun unseren Alltag bestimmen. Doch vor allem Piraterie hat sich vereinfacht. Als das Internet noch nicht sehr weit verbreitet war, war der einfachste illegale Weg an Musik zu kommen, mit einem Kassettenrekorder seine Lieblingsmusik aus dem Radio mitzuschneiden. Mitunter hatte man dann zwar noch unerwünschte Nebengeräusche wie die Moderation, ein Radiojingle oder Krach aus dem Raum mit drauf, aber das war dann oft egal, da unvermeidlich. Endergebnis war also das etwas störungsbehaftete Lied auf einer Kassette – einer Kassette. So etwas massenhaft zu machen war kompliziert, hat sich eher wenig gelohnt. Wer vernünftige Qualität wollte, ist in einen Plattenladen gegangen. Es war auch so gesehen ein viel einfacherer Weg, Musik zu bekommen, als sich vor dem Radio mit einer Musikkassette abzuquälen.

Irgendwann kam dann schrittweise die digitale Revolution und das Internet wurde nicht nur mehr von „irgendwelchen Nerds“, sondern auch von der Masse genutzt. Und die entdeckte, dass man damit auch ganz einfach Dateien austauschen kann, zum Beispiel Musikdateien. So setzte sich die Piraterie in Gang. Irgendwer hat mal eine CD gekauft und alle Lieder davon ins Netz hochgeladen, nun kann jeder weltweit darauf zugreifen und sich die Musik ohne Mehrkosten herunterladen. Diese neue Form der Piraterie, die Onlinepiraterie, erfreute sich lange Zeit großer Beliebtheit.

Für die Musikindustrie wurde es Zeit, zu handeln und etwas dagegen zu unternehmen. Doch was? Wie sollte eine digitale Alternative zur Onlinepiraterie aussehen? Wie konnte man dem wachsenden Drang, jederzeit selbst zu entscheiden, was man hören möchte, antworten? Und vor allem Musik einfach jedem zugänglich machen, aber legal? Die Antwort darauf bilden Streamingdienste, zwar nicht direkt von der Musikindustrie gegründet, doch mit geringer Verzögerung von dieser unterstützt. Beim Streaming wird im Unterschied zum Download das Lied in nur kleinen Bruchstücken geladen, sodass der Nutzer das Lied sofort los hören kann und nicht mitunter erst noch den kompletten Download des Liedes abwarten muss. Der erste Musikstreamingdienst wurde am 3. Dezember 2001 gestartet – Rhapsody erblickte in den USA das Licht der Welt.

Musikstreaming wächst gewaltig

In den Folgejahren gründeten sich immer mehr Streaminganbieter, doch die bekanntesten und meistgenutzten sind derzeit wohl Spotify und Deezer. Spotify zählt derzeit über 75 Millionen Nutzer weltweit, von denen jedoch nur 20 Millionen zahlende Abonnenten sind. Deezer gibt keine Auskunft über generelle Nutzerzahlen, weist aber über 6 Millionen zahlende Abonnenten aus.
Musikstreaming macht nach Angaben des Bundesverbandes Musikindustrie mittlerweile 13,8 Prozent des deutschen Musikmarktes aus – dieser Anteil hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt.

Quelle: Bundesverband Musikindustrie
Quelle: Bundesverband Musikindustrie

„Ich bin nicht bereit, mein Lebenswerk an einem Experiment beizusteuern, bei dem ich nicht glaube, dass es die Songschreiber, Produzenten, Künstler und Schöpfer der Musik fair entlohnt. Und ich bin einfach nicht damit einverstanden, die Auffassung zu erhalten, dass Musik keinen Wert hat und kostenlos sein sollte“, sagte Taylor Swift über Spotify in einem Interview mit Yahoo Music. Ihre Meinung wird sehr deutlich: Gerade in Bezug auf Gratisangebote bei hiesigen Streaminganbietern fühlt sie sich betrogen, fast beklaut. Und während alteingesessene Musiker wie Pink Floyd, AC/DC und die Beatles gerade dazu stoßen, springen junge Künstler wie Swift oder Farin Urlaub vom Experiment Streamingdienst schon wieder ab.

Mit Streaming gegen die Piraterie

Spotify hält gegen die Behauptung, sein Angebot würde die Musikindustrie zerstören und erklärt, dass es dessen Ziel sei, junge Musikhörer, die mit illegalen Internetdiensten aufgewachsen sind, zu seinem werbe- oder abogestützen Service zu holen und so dafür zu sorgen, dass Musiker wieder für ihr Werk entlohnt werden. Durch Studien will der Musikstreaming-Anbieter zudem zeigen, dass durch Onlinepiraterie durch ihn verhindert wird. Spotify-Abonnenten, die zehn Euro pro Monat zahlen, gäben doppelt so viel Geld für Musik aus, als normale Musikkonsumenten. Bisher, so der schwedische Internetdienst weiter, habe er über drei Milliarden US-Dollar an dessen Künstler ausgezahlt.
Die Vergütung funktioniert unterdessen so: Spotify behält ca. 30 Prozent seiner Einnahmen für sich, die restlichen 70 Prozent werden an die Künstler ausgeschüttet. Dabei wird dieser Betrag auf alle Künstler aufgeteilt, je nach Beliebtheit der Musik eines Künstlers bekommt dieser mehr oder weniger von diesen 70 Prozent. Das bedeutet allerdings auch, dass die Künstler weniger Geld bekommen, wenn Spotify-Nutzer plötzlich mehr Musik im Monat hören. Des Weiteren ist es auch wichtig, wie viele zahlende Nutzer die Musik hören. Wird ein Lied zu einem Großteil von Premium-Abonnenten gehört, kriegt der Künstler logischerweise mehr Geld, als wenn das Lied nur von Gratisnutzern gehört werden würde.
Da viele Musiker unterschiedliche Verträge haben, kommt es letztendlich auch dadurch darauf an, wie stark sie an diesen Einnahmen beteiligt werden. Würde man das pro abgespieltem Lied abrechnen, käme man hier auf einen Betrag zwischen 0,6 und 0,84 Cent.

Wie fair ist „Playfair“?

Der neue Trend des Musikhörens „wann und wo du willst“ – er stellt die gesamte Musikindustrie auf die Probe. Gerade in Hinblick auf viele Gratisanbieter für Musik im Internet ist es ein Drahtseilakt, die Balance zwischen niedrigen Kosten für Nutzer und fairen Vergütungen für die Künstler zu finden. Das weiß auch Nadine Remus, Kommunikationsdirektorin bei der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, kurz GEMA, die sich vor allem für Belange von Komponisten und Textern einsetzt. „Durch das veränderte Konsumverhalten der Musiknutzer (weg vom physischen Tonträger hin zu Download- und Streamingangeboten), ändern sich natürlich auch die Einnahmequellen der Musikautoren – daher gewinnt auch die Lizenzierung von neuen Geschäftsmodellen im Online-Bereich zunehmend an Bedeutung. Beim Verkauf eines Albums in Form einer CD ergibt sich ein weitaus höherer Betrag, der den Musikurhebern zu Gute kommt, als das im Online-Bereich der Fall ist. Eine geringe Vergütung bedeutet einen geringeren Lohn für die Arbeit der Kreativschaffenden, die ihren Lohn nur aus der Nutzung ihrer Werke erhalten“, erklärt sie gegenüber WochenPolitik.de.
Auch die derzeitigen Vergütungen für Künstler im Onlinebereich allgemein hält sie für unangemessen: „Angesichts der gigantischen Musiknutzung im Internet kommt immer noch zu wenig bei den Musikurhebern an. Deshalb bleibt es eines der Hauptanliegen der GEMA, sich für eine angemessene Beteiligung für Sie an den stetig wachsenden Online-Umsätzen einzusetzen.“

Man kann es fast als Pionierstimmung bezeichnen: Es gilt, das Internet kommerziell fit für Musik zu machen. Doch dass dies nicht einfach ist, zeigt allein die Anzahl von illegalen und legalen Musikdiensten. Um Übersicht über den legalen Musikmarkt zu verschaffen, rief der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) 2013 das „Playfair“-Siegel aus, welches legale Onlineangebote für Musik kennzeichnen soll. Doch auch über die Fairness kann dieses Siegel nur wenig aussagen. So schreibt der BVMI: „Die konkrete Frage der Vergütungsgerechtigkeit zwischen Partnern ist bekanntermaßen in jedem Bereich wirtschaftlicher Betätigung sensibel […]“. Da Vergütungen immer individuell gestaltet seien, könne auch das Siegel keine generellen Aussagen zu deren Fairness machen.

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